"Anton Hübner war krank. Kein einfacher Patient. So wie ihn Leute beschreiben, die ihn gut kannten, handelte es sich um ein seelisches Wrack, "psychologisch gesehen um ein Pulverfass". Als Hübner Mitte Juni nach Stadelheim kam, informierte sich ein Gefängnisarzt bei Professor Norbert Müller von der Psychiatrie der Innenstadtklinik der Ludwig-Maximilians-Universität. Müller hatte den Patienten seit 2004 behandelt. [...] Der Psychiatrie-Professor erteilte Auskunft. Seine eigenen Fragen bezüglich des Patienten aber seien abgeblockt worden, sagt er. Und für die schweren Depressionen, die Hübner Jahre, wenn nicht Jahrzehnte geplagt hatten, schien sich in Stadelheim niemand zu interessieren. "Depressionen waren nicht das Thema", räumt der Stadelheimer Arzt ein.
Er fühlte sich kompetent genug, den Zustand des Häftlings zu beurteilen. Also beließ es der Gefängnismediziner, ein Internist, bei dieser einzigen Konsultation von Hübners Vertrauensarzt. Immerhin sei der Häftling dreimal Anstaltspsychiatern vorgeführt worden. Auch als Hübner aus der Krankenstation in die Einzelzelle verlegt wurde, fragte den Professor, eine international anerkannte Kapazität, niemand mehr. Dieser hätte Hübners Bitte um eine Einzelzelle "nicht entsprochen", wegen Suizidgefahr."
by
solon
2007-08-24 00:50
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