Dieses belletristisch aufbereitete Tagebuch eines Unbekannten beschäftigt sich mit den letzten fünf Wochen des Lebens und Wirkens von Major Ferdinand von Schill. Diese Neuausgabe des Tagebuches, welches unter gleichem Titel bereits 1831 erschienen ist, wurde auf Grund des 200. Todestages von Major von Schill, durch den Verlag Edition Pommern herausgegeben.
Das Tagebuch spielt in einer Zeit, in der Preußen und weite Teile Europas von Napoleon und seinen Verbündeten beherrscht wurden. Im Jahre 1809 brach aber ein Wandel über die unterdrückten Völker ein und viele Freiheitskämpfer starteten in das Abenteuer „Befreiung der Heimat“. So erhoben sich die Österreicher, in Tirol gab es einen Aufstand mit Andreas Hofer an der Spitze und in Preußen entschied sich Major von Schill seinen Beitrag zur Befreiung mit seinem Freikorps beizutragen. Dabei wird nicht ganz klar, ob er nun eigenmächtig handelt oder auf Befehl oder Bitten der Königin Luise von Preußen. Aber, oder auch gerade, dass er seine Soldaten in dem Glauben lässt, gehen auch Sie davon aus für eine höhere Sache zu kämpfen. Aus diesem Grund werden seine Befehle und Parolen fast nie hinterfragt. Leider setzt sich diese Darstellung nicht bei der Bevölkerung der befreiten Gebiete durch, so dass kaum Freiwillige zu seinen Einheiten stoßen.
In seinem Tagebuch schildert uns nun dieser unbekannte Offizier die letzten Wochen von Schill und seinen Getreuen. Der Offizier, der selbst vorgibt Schills Vertrauter zu sein, schildert uns eindrücklich den letzten großen Marsch von Potsdam bis nach Stralsund. Detailgetreu gibt er die Begebenheiten und Kämpfe in der Zeit vom 29. April 1809 bis zum Tode des Major Ferdinand von Schill am 31. Mai 1809 wieder. Er lässt uns an den Szenen der Zeit teilhaben und entreißt so diese Begebenheiten der Vergangenheit aus der Vergessenheit.
Zu dem Eindruck einer vor allem auf die militärisch gerichteten Perspektive trägt auch die Art der Darstellung in erheblichem Maße bei, denn wie der unbekannte Vertraute es aufgeschrieben und sich auszudrücken weiß, gibt auch einen Einblick in den hervorragenden Bildungsstand des Offizierschor. Die Geschichte jener Tage wird quellennah erzählt und wendet sich an einen breiten Leserkreis, der militärhistorisch, regionalgeschichtlich und kulturgeschichtlich interessiert ist.
Insgesamt bietet das vorliegende Werk einen instruktiven und umfassenden Einblick in die Vorzeit der Befreiungskriege; und vor allem dem speziell angesprochenen Leserkreis die Möglichkeit, sich nicht zuletzt mit Hilfe der zahlreichen detailgetreuen Angaben, wie Mannschaftstärken, Orte usw. den Zugang zur Zeit der Befreiungskriege zu erschließen.
Die so genannte Ereignisgeschichte wird in diesem 52seitigen kleinen Büchlein hervorragend umgesetzt. Dass man in das Wirken jener Tage eintauchen kann, liegt sicherlich nicht nur an dem Tagebuch, sondern auch an der Gestaltung des Büchleins durch den Verlag Edition Pommern.
Schills Zug nach Stralsund und sein Ende. Tagebuch eines Vertrauten
Edition Pommern. 52 Seiten, mit Abbildungen. ISBN 978-3-939680-04-8
by
editionpommern
2009-09-23 11:35
Major
·
Schill
·
Verlag
·
Pommern
·
Edition
·
Lützow
·
Befreiungskriege